Gefühle und Krise – gehören zusammen wie Ernie und Bert

Krise und Emotionen gehören zusammen wie Ernie und Bert

„Ich krieg‘ die Krise“

Es ist leicht, bei uns eine kleine Krise zu erzeugen: 😊  Ein Experiment dazu: Wir setzen jetzt mal eben unsere Unterschrift aufs Papier. Nein. Nicht so, wie immer. Diesmal lassen wir unsere Schreibhand in der Hosentasche und nehmen stattdessen die andere. Also die meisten von uns unterschreiben jetzt mit links.

Fest steht: Wir haben eine Krise

Was stellen wir fest? Wir fühlen uns unwohl und „irgendwie komisch“. Manche meiner Teilnehmer schimpfen „Ich habe da keine Lust zu“ oder lachen laut. Wir haben so etwas wie eine kleine Krise. Wir erleben unvorbereitet eine neue Herausforderung und gleichzeitig meldet sich ein Gefühl.

Emotionen und Krise gehören zusammen

„Krise“ psychologischer definiert:

Wir erleben etwas komplett Unbekanntes, zu dem wir noch keine Erfahrung haben – und deshalb auch keine erlernte Reaktion. Uns fehlt jede Routine. Das löst Ärger oder Abwehr aus.

Denn neue Situationen erfordern unsere Aufmerksamkeit. Und genau das schaffen Emotionen, das ist ihre Aufgabe. Sie reißen uns aus der Routine und fordern Aufmerksamkeit – um so stärker, um so mehr.

Was folgern wir daraus? Emotionen und Krise gehören einfach zusammen. Wie Käse und Wein, wie Dortmund und Fußball, wie Nutella aufs Brot 😊

Lust auf Krisenbewältigung?

Spinnen wir unser Schreibexperiment vom Anfang weiter. Der Schreibarm muss drei Monate in Gips 🥺 . Wie fühlen wir uns nach diesem eingeschränkten Vierteljahr? Wir sind mit unserer Nicht-Schreibhand viel geschickter geworden. Nicht nur die Unterschrift kritzeln wir mittlerweile locker aufs Papier – sondern auch einen Zettel für den Großeinkauf. Schminken, eine Schere benutzen – kein Problem mehr für uns.

Wir haben gelernt, mit der neuen Situation umzugehen. Wir ärgern uns nicht mehr ständig über unser ungeschicktes Verhalten. Wir haben tatsächlich neue Routinen entwickelt.

Das ist der klare Hinweis: In der Krise steckt die Möglichkeit, etwas Neues zu lernen. Hier ist die Chance auf Wachstum und Entwicklung. Und auch auf das Entdecken neuer Potenziale, die immer schon in uns geschlummert haben. Allerdings – dies passiert oft nicht sofort, denn wir müssen erst den Umweg über die (heftigen und unangenehmen) Emotionen machen und brauchen manchmal sogar einen ordentlichen Schubs und Motivation von außen.

Grafik mit dem Titel Ohnmacht in der Krise

Während ich hier am Schreibtisch sitze und diesen Blog-Beitrag schreibe, verkündet die Bundeskanzlerin in Berlin den „Lockdown light“. Ich fühle mich nicht besser als bei der ersten Krise im März 2020. Ich stecke irgendwie fest und mein Kopf ist leer. Vor meinem inneren Auge taucht das Bild meines leergefegten Terminkalenders auf und die Kids im Homeoffice . . .  zeitgleich ein leichter Anflug von Panik. Allerdings stelle ich fest: Wenn ich beim ersten Mal eine Woche gebraucht habe, der Schockstarre zu entkommen, bin ich da jetzt nach zehn Minuten raus. Weil mir Vieles klarer geworden ist.

Wir können tatsächlich lernen, mit Krisen besser umzugehen und unsere Krisen-Kompetenzen zu erweitern. Wir können quasi das innere Tool-Set zum Umgang mit Krisen selbst aktiv vergrößern.

Neue Routinen für persönliche Work-Life-Balance

Wie das konkret geht und welche praktischen Methoden und Tipps wirklich helfen, davon handelt meine Blog-Serie in drei Teilen. Persönliche Krisen und Krisen in Unternehmen funktionieren dabei teilweise nach erstaunlich ähnlichen Prinzipien. Das wundert im Grunde nicht, denn es geht überall um Menschen und Emotionen.

Wie schaffen wir es raus aus einer persönlichen Krise, Teamkrise oder Unternehmenskrise? Welche praktischen Tools gibt es? Was kann ich tun, um für mich selbst zu sorgen? Wie finde ich zu neuen Routinen für eine komplette Work-Life-Balance?

Das Phänomen Krise

Starten wir im ersten Teil damit, warum Emotionen und das Phänomen Krise so eng zusammengehören und warum uns Krisen komplett aus der Bahn werfen können. In Teil zwei und drei wird es darum gehen, wie wir den Perspektivwechsel für uns und andere schaffen und welche Rolle dabei eine richtige Kommunikation (in Unternehmen) spielt.

Gestern in meiner Stadt auf Besuch bei einer Kollegin: Auf den 100 Metern vom Auto zu ihrer Haustür hörte ich im Vorbeigehen Satzfetzen von zwei Gespräche auf der Straße. Worüber wurde gesprochen? Natürlich über Corona. Es gibt nur noch ein Thema, denke ich und spüre eine gewisse Genervtheit.

Krisen und Emotionen sind wie Ernie und Bert

Auf der anderen Seite, fachlich gedacht, ist das allerdings genau richtig. Denn es gibt in Krisensituationen nichts Besseres, als darüber zu reden. Gerade in schwierigen Situationen ist Kommunikation der Schlüssel. Reden hilft uns, wieder in Bewegung zu kommen und konstruktiv und kreativ zu werden.

Wir halten noch einmal fest:

Krisen und Emotionen gehören zusammen!

Wie Ernie und Bert oder Waldorf und Statler aus der legendären Muppet Show (hier entstand aus chaotischen Krisen übrigens regelmäßig wunderbar Kreatives und Neues)

Nicht nur die Corona-Krise, sondern der tägliche Wahnsinn unseres Lebens liefert zahlreiche Herausforderungen. Der verpasste Zug, die Kinder in der Pubertät, der Besuch der Verwandtschaft, die Steuernachzahlung.

Ein Beispiel aus meinem Workshop-Alltag: Ein großes Team soll umziehen. Allein das sorgt für so viel Unruhe und Ängste unter den Mitarbeitern, dass an Produktivität kaum noch zu denken ist. Flurfunk und Konflikte nehmen zu, ehe überhaupt ein Büro Karton gepackt ist.

Jeder kennt Beispiele für Krisen im Job: Ein neues Dokumentationssystem, Prozesse und Abläufe, die angepasst werden oder ein ganzes Unternehmen, das finanziell in Schieflage gerät. Es ist wie beim „Links-Schreiben-Experiment“: Nichts scheint mehr gut zu sein, Fokus auf negativ, Ratlosigkeit, Ärger und Konflikte.

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Krisen-Verlauf ist immer ungewiss

Was ist allen Krisen eigentlich gemeinsam? Wann empfinden wir „Krisenstimmung“?

Häufig sind Krisen komplexe Situationen, deren Zusammenhänge wir auf Anhieb nicht durchschauen können. Es gibt unglaublich viele Facetten. Gleichzeitig tauchen zahlreiche Meinungen auf, woher dies kommt, wer Schuld ist, was jetzt sein muss. Doch wir können uns kein Urteil bilden, ob eine davon richtig ist. Allen Krisen ist gemeinsam: Es gibt keine einfache Lösung und gewiss ist nur eins: Dass der Verlauf ungewiss ist.

Vorherrschende Gefühle in dieser Situation – und das ist nur logisch und menschlich-normal – sind Unsicherheit und Kontrollverlust. Beides ist nicht auflösbar, wir können dem nicht entkommen. Genau dies ist eine Situation, die wir als Menschen von Natur aus ablehnen. Sich plötzlich wiederfinden als Fahrgast einer irrwitzigen Fahrt mit 220 km/h im Nebel auf einer Straße, die wir nicht kennen, in einem Auto ohne Bremsen, aus dem wir nicht aussteigen können – das ist gefühlte Krise in ihrer besten Form.

Ein Wechselbad der Gefühle

Die Gefahr: Wenn wir es nicht schaffen, diese erste Gefühls-Reaktion zu überwinden, kann daraus eine unglückliche Abwärts-Spirale entstehen. Wir müssen stattdessen den Kreislauf aus Gefühlen, Gedanken und Handeln unterbrechen. Denn starke Gefühle haben direkte Auswirkungen auf unser Denken und Handeln. Und umgekehrt hat unser Denken und Handeln direkte Auswirkungen auf unsere Gefühle.

Schauen wir als Beispiel Restaurantbesitzer Lukas über die Schulter, der von jetzt auf gleich erfahren hat: „Am Montag muss ich mein Geschäft dicht machen.“ Was er nun erlebt ist ein Wechselbad der extremen Gefühle von Wut und Angst bis Ohnmacht und Enttäuschung.

Kopf und Kasse sind leer

Lukas muss den Schlüssel in der Restauranttür rumdrehen und kann nichts dagegen tun. Die Wut im Bauch, der Kopf ist leer, die Kasse auch. Motivation zur Suche nach Lösungen? Fehlanzeige! Wenn er normalerweise kreativ ist und lebensfroh und alle Dinge mit Optimismus angeht, zwingen ihn jetzt plötzlich Angst und Ohnmacht in die Schockstarre. Seine Gefühle verhindern das Denken und damit sinnvolle Hilfe zur Selbsthilfe.

Lukas starrt tage- und wochenlang tatenlos in seine kalte Küche und sieht die Rücklagen schmelzen. Aus Angst wird irgendwann Panik, aus Ohnmacht wird Lähmung. Aus Enttäuschung wird das Gefühl, im Tunnel zu stecken. Was jetzt folgt ist kopfloses Handeln. Lukas schmeißt hin und schließt seinen Lebenstraum, ohne nur kleinsten den Versuch gemacht zu haben, etwas zu verändern.

Starke Gefühle sind die normale Reaktion auf Krisen. Doch wie schaffen wir es, wieder konstruktiv zu werden, ohne uns in totale Passivität und Kopflosigkeit zu manövrieren?

Verschwörungstheorien in der Krise

Am Rande bemerkt – gerade in Krisen erleben Verschwörungstheorien Hochkonjunktur. Angela Merkel sei ein „Reptiloid“, Bill Gates wolle uns Steuerungs-Chips einpflanzen, in einem Tunnel zwischen Europa und Nordamerika kämpften Roboter und Menschen um die Vorherrschaft.

Wir Menschen sind permanent auf der Suche nach Sicherheit und Vorhersehbarkeit. So skurril die Theorien sind, aus psychologischer Sicht sind sie ein Versuch, Sicherheit zu gewinnen und das persönliche Weltbild wieder auf feste Füße zu stellen.

Eine hoffnungsvolle Erklärung liefert diese literarische Perspektive:

Eine Krise besteht darin, dass das Alte stirbt und das Neue noch nicht geboren werden kann.

Antonio Gramsci, ital. Schriftsteller u. Philosoph

Betrachten wir unter diesem Gesichtspunkt den Begriff „neue Normalität“: Wir versuchen das Alte festzuhalten – die „Normalität“. Aber ahnen doch, dies ist schon das „Neue“, das wir noch nicht kennen und definitiv nie wollten. Wir hängen noch regelrecht dazwischen. Das neue Leben gibt es noch nicht wirklich. Vom alten Leben können wir uns noch nicht trennen. Wir sehnen uns nach alten Gewohnheiten und Sicherheit.

Herausforderungen vom Ende her denken

Krisen erschüttern Menschen bis ins Mark, werfen uns um und aus der Bahn. Auch deshalb, weil wir es gewohnt sind Probleme, Herausforderungen, schwierige Situationen vom Ende her zu denken, vom Ziel. Ich sehe einen Berg. Ich will auf den Gipfel und beginne rückwärts zu planen. Wie kann es gelingen, dass ich da oben stehe? Welche Ressourcen stehen mir zur Verfügung, um dieses Problem zu lösen?

Genau das ist aber in Krisen NICHT möglich! Sie können eben nicht auf gewohnte Art und Weise gelöst werden. Unsere bisherigen, bewährten Strategien greifen nicht. Wir brauchen neue Denk- und Handlungswege.

Ressourcen-Management Tipp Nr. 1:

Um wieder aktiv und lösungsorientiert zu werden, finde Deine mentalen Kräfte der Vergangenheit wieder. Mach Dir bewusst, welche Herausforderungen Du konkret in Deinem Leben schon überstanden hast! Wie war es, als Du damals die Talsohle durchschritten hast? Woran hast Du bemerkt, dass es wieder aufwärts geht.

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Raus aus dem Kreislauf

Fazit:

  • Emotionen und Krisen gehören zusammen
  • Krisen zeigen uns, wie wichtig uns Sicherheit und Gewohnheit sind
  • In Krisen schaffen Chancen – doch dies kann harte Arbeit sein.
  • Reden hilft!
  • Aktiviere Deine Ressourcen, indem Du Dir bewältigte Herausforderungen der Vergangenheit bewusst machst.

Im nächsten Blog-Beitrag geht’s weiter mit praktischen Ideen zum Perspektivenwechsel zur Stärkung unserer persönlichen Krisen-Kompetenz. Um Tools und Basics für die Krisen-Kompetenz von Unternehmen geht es dann in Teil drei.

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